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Es geschah in jener Nacht...

von Papst Schenuda III.
 
In jener Nacht saß ich allein in meinem eigenen Raum auf meinem Stuhl und betrachtete nichts. Eine falsches Lächeln kam auf meine Lippen, vielleicht, weil ich über mich nicht als Diener nachsann. Da geschah etwas Seltsames. War mein Kopf schwer geworden? War ich eingeschlafen? Waren meine Gedanken zu Träumen geworden? Oder hatte Gott mir eine Offenbarung gegeben? Ich weiß es nicht. Aber eins weiß ich: Ich habe eine Schar leuchtender Engel vor mir gesehen, die mich auf ihren Schwingen trugen und hoch hinauf stiegen. Ich sah auf die Erde nieder, die sich nach und nach zu einem kleinen, hellen Fleck im Universum veränderte. Ich horchte auf den Lärm der Welt, wie er geringer wurde und in Stille wechselte. Ich betrachtete mich, da wurde mein Leib leichter und leichter bis ich fühlte, dass ich Geist ohne Leib war. Ich schaute um mich voller Staunen. An meiner Seite sah ich viele Geister wie mich schweben im endlosen Raum und viele tausend und zehntausend Engel. Da waren die Cherubim mit sechs Flügeln und die Seraphim, die voller Augen sind. Ich hörte, wie die Stimmen aller sich zu einem Klang in wundervoller Musik erhoben und sangen: „Heilig, heilig, heilig“. Ich begriff nicht und sang doch mit ihnen: „Heilig sei Gott der Vater ... Heilig sei sein eingeborener Sohn... Heilig sei der Heilige Geist“.
Dann hielt ich inne, um einem anderen heiligen, leisen Klang zu lauschen, den niemand zu­vor gehört hat. Voller Sehen sucht schaute ich zur Quelle dieser Klänge. In der Ferne sah ich eine wunderbar leuchtende Stadt im Königreich Gottes, erfüllt von Gesängen und Hymnen.

Mein Herz empfand Freude und meine Seele zitterte vor Sehnsucht, als es die Hymnen hörte. In der Stadt sah ich Schatten, schöner als Engel. Da waren Moses, Elias und alle Pro­pheten, der heilige Antonius, der heilige Athanasius und alle Heiligen. ich sah meine Väter, Bischöfe und Priester. Da war mein Beichtvater, einige meiner Kameraden, die Sonntags­schullehrer waren da. Ich konnte nicht mehr betrachten und stürmte in Richtung dieser leuchtenden Stadt. Aber - erstaunlich!! - ich kam nicht voran, weil ein riesiger, respekthei­schender Engel mich anhielt und sagte: „Bleib wo du bist. Wohin willst du?“ Ich antwortete: „Zu jener großen Stadt, Herr Engel, in der meine Mitbrüder, meine Kollegen und heiligen Vä­ter sind“. Der Engel sah mich erstaunt an und sagte: „Das ist die Stadt der Diener. Bist du ein Diener?“ Als ich mit ja antwortete, sagte er: „Falsch, mein Freund, dein Name steht nicht in der Liste der Diener“.

Im Schock schrie ich den Engel an, der die Stadt bewachte: „Wie? Vielleicht, Herr Engel, ken­nen Sie mich nicht. Fragen Sie in den Sonntagsschulen, den Jugendgruppen, den Kirchen und den sozialen Vereinigungen nach mir. Fragen Sie auch meine Kollegen, die Lehrer in den Sonntagsschulen, nach mir“.

Der Engel antwortete klar und deutlich: „Ich und sie kennen dich sehr gut, dennoch, du bist kein Diener. Das ist Gottes Urteil“.

Ich ertrug diese Worte nicht, fiel nieder und weinte bitterlich. Da kam ein anderer Engel, wischte meine Tränen ab und sagte sanft: „Du, mein Bruder, bist an dem Ort, wo Kummer und Seufzen entfliehen. Warum also bist du traurig? Komm, wir wollen darüber reden. Als wir allein saßen, sagt er: „Alle, die du in der Stadt der Dienenden siehst, hatten ihr Leben ganz Gott geweiht. Jede ihrer Minuten widmeten sie dem Dienst. War nicht das Leben des heiligen Paulus und aller übrigen Apostel so, das Leben von Moses, das der Propheten, das Leben der Bischöfe, Priester und Diakone und auch das Leben der heiligen? Doch du, mein Freund, weihtest dich nicht Gott, du hast der Welt gedient. Dein ganzer geistlicher Dienst bestand in eine Stunde wöchentlich, die du in der Sonntagsschule verbrachtest. Manchmal hat dich deine andere Beschäftigung Gott nur eine Stunde geben lassen! Und da willst du neben den Aposteln, Propheten und Priestern in der Stadt der Dienenden sitzen, für diese zwei Stunden?

Ich saß, während er sprach, mit schamroten Gesicht da, doch unterdrückte ich meine Beschämung und fragte den Engel: „Aber ich sehe doch in der Stadt der Dienenden einige meiner Kollegen, Sonntagsschullehrer gleich mir, die Gott genauso dienten wie ich“.

Der Engel erwiderte: „Nein, eben nicht wie du. Ja, sie dienten eine Stunde oder mehr in den Sonntagsschulen, aber sie verbrachten die ganze Woche damit, diese eine Unterrichts­stunde zu planen, die Lehrmittel und interessante Wege zu finden, und für all dieses zu beten.
Sie untersuchten die Lebensumstände ihrer Schüler und überlegten, wie sie diese für jeden einzelnen verbessern konnten, und zusätzlich beschäftigten sie sich mit Besuchen und Ausprobieren neuer nützlicher Methoden, um die geringe Zeit ihrer Schüler während der Woche zu nützen. Und sie haben viele andere verborgene Dienste verrichtet, die du nicht kennst. Und so war geistlicher Dienst ihre Hauptaufgabe, alles andere war zweitrangig.

Ich meine damit nicht, dass sie ihre weltlichen Pflichten und Aufgaben vernachlässigt hätten, denn die erfüllten sie getreulich und mit Erfolg. Ihre Aufgabe in der Welt war also auch nicht ohne Dienst. Doch Gott sah sie als seine Geweihten an.

Ich staunte über diese Worte und fragte: „Wie kann ich denn Diener Gottes sein, wenn ich eifrig bin in meinen weltlichen Aufgaben?“

Der Engel antwortete: „Vielleicht, hast du, mein Bruder, die Grundlage des Dienstes vergessen. Du musst Gott jederzeit und überall dienen, in der Kirche, auf der Straße, zu Hause, an der Arbeitsstelle, überall da, wo du bist. Du sollst nie unterscheiden zwischen dem Dienst und deiner Arbeit. Wir haben hier in der Stadt der Diener Lehrer, die fähig waren, alle ihre christlichen Schüler zur Sonntagsschule heranzuziehen, die ihre Lebensumstände bessern und auf Dauer für sie sorgen konnten. Wir haben hier Ärzte, die die Medizin nicht als Geschäft betrachteten, sondern in erster Linie als Sorgen für die Gesundheit ihrer Patienten, ob arm, ob reich. Meist behandelten sie sie frei und schenkten Medikamente. Manchmal errich­teten sie Krankenhäuser oder Kliniken für kostenlose Behandlung.

Es gibt hier in der Stadt der Diener Beamte, die alle ihre Kollegen zur der Kirche, zur Beichte und zum Empfang der Eucharistie brachten. Es gibt Ingenieure, Anwälte, Künstler, Händler und Arbeiter, die alle Dienende in ihrem Beruf waren.
Warst du wie sie ?“

Ich schämte mich meiner und konnte nicht antworten. Dann sagte der Engel mit schmerzendem Tadel: „Das betraf dein Dienen bei deiner Arbeit. Doch was gilt für deinen Dienst in dei­ner Familie? Josua, den du hier in der Stadt der Diener siehst, sagte ... Doch ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen! Doch du sorgtest dich nicht um dein Haus - im Gegenteil - du hattest dauernd Streit mit den Mitgliedern deiner Familie. Du hattest keinen Erfolg, Vorbild zu sein, damit sie dir folgen konnten.
Was gilt für deine Freunde, deine Kollegen und Nachbarn und Bekannten? Du hast sie nur Weihnachten und Ostern besucht, ohne über Christi Geburt und Auferstehung, über die Wiedergeburt, die Erlösung von der Sünde zu sprechen. Doch am Weltlichen hast du dich mit ihnen gefreut. Du hattest viele Gelegenheiten, ihnen zu dienen, doch du nutztest sie nicht. Und da betrachtest du dich als Diener?“

Und zum dritten Mal senkte ich beschämt mein Haupt und suchte trotz allem eine Antwort: „Doch du, Herr Engel, weißt, dass ich schwache Gaben habe und nicht alle Ansprüche erfüllen kann“.

Der Engel war erstaunt, als höre er diese Meinung zum ersten Mal, und so sagte er streng: „Gaben? Wer sagte, du könntest nicht dienen, wenn du unbegabt bist? Das ist, mein Bruder, das, was man stille Predigt nennt. Keiner fordert dich auf, Prediger zu sein, doch ein Predigender kannst du sein... Und wenn die Menschen dir ins Gesicht sehen, können sie Demut, Aufrichtigkeit und Einfachheit erkennen, und wenn sie deine Rede hören, lernen sie Reinheit, Aufrichtigkeit und Treue. Wenn sie mit dir zu tun haben, sehen sie bei dir Treue, Vergebung Opferbereitschaft und Liebe zum Nächsten. Dann lieben sie dich, ahmen dich nach und wer­den gute Menschen. Das geschieht alles ohne deine Predigt und ohne auf der Kanzel zu ste­hen. Du kannst auch für sie beten. Das kann besser für sie sein als Predigt“.

Ich schämte mich ein viertes Mal, sank zusammen und antwortete nicht. Der Engel fuhr fort:
„Du sollst eine stumme Predigt sein, weil du dich von jedem Anstoß fern hältst. Du sollst auch nichts Unschuldiges tun, was andere als Anstoß sehen könnten und sie verführt. Dann bist du „schuldlos“ vor Gott und den Menschen, wie die Bibel sagt. Stelle als Diener dir die Worte des Heiligen Paulus vor Augen: Alles ist erlaubt, doch nicht alles tut gut“ (1. Kor 10: 23).

Ich betrachtete mein Leben und fand, dass ich andere zur Sünde verleitet hatte, wenn auch ohne Absicht.
Der Engel unterbrach den Faden meiner Gedanken und sagte mit Milde: „Das war nicht alles. Ich hatte mehr Mitleid mit dir, mein menschlicher Freund, während du auf der Welt warst, besonders in den Augenblicken, in denen du Schmerzen littest vor Selbstrechtfertigung. Du dachtest beim Betrachten deines Dienstes, du seist ein Vorbild eines Dieners, während du doch noch nicht zu den Dienern zähltest! Vielleicht hast du viele andere Fehler gemacht. So war dein Dienst nur Routine. Dein Gang zur Sonntagsschule war nur wöchentliche Gewohnheit. Aus Gewohnheit hast du mit den Kindern gebetet und gezählt, wer anwesend war und wer nicht. Du gabst den anwesenden Kindern Belohnungen und vernachlässigtest die abwe­senden, als ob du für sie nicht verantwortlich wärst. Deshalb war dein Dienst leer von Geist und Liebe. Du konntest nicht tief in die Herzen der Kinder eindringen, weil deine Worte und dein Verhalten nicht aus der Tiefe deines Herzens kamen. Die Hymnen, die du lehrtest, wa­ren nicht erfüllt vom Geist der Freude. Dein Gebet kam nicht aus Meditation, Flehen und De­mut der Seele. Deine Anordnungen waren nicht von der Liebe aus der Seele kontrolliert. Deine Anordnungen für die Kinder waren ohne geistige Liebe. Und deshalb war dein Dienen ohne Wirkung.
Auch deine Predigten in der Kirche, wenn du auf Bitten des Priesters sprachst, hieltest du nur deshalb, weil du versprochen hattest, sie zu halten. Dann hattest du auch mehr die Absicht, das Thema zu erklären und den Menschen interessante Bilder anzubieten, als ihre Seelen zu retten. Deine Stimme war trotz Klarheit und Stärke kalt und ohne Leben. Im Innersten freu­test du dich über das Lob, das sie deiner Predigt zollten, und es war dir gleich, ob du ihr Le­ben erneuert hattest oder nicht. 
Mein Freund, siehst du nun, dass du weder Gott noch den Menschen, sondern nur dir selbst gedient hast?
Vielleicht ist das auch ein Zeichen dafür, dass du gern in den großen, menschenreichen und berühmten Kirchen dientest, nicht in den kleinen, weniger bekannten.

Deinem Dienen fehlte es an zwei wichtigen Dingen: Liebe zum Dienen und zu jenen, denen du dientest.
Was die Liebe angeht, so findest du sie, wenn du Christi Worte liest: Selig sind die, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit.
Warst du hungrig und durstig nach Rettung der Seelen? Hast du die ganze Woche schon von der Stunde geträumt, die du mit den Kindern deiner Sonntagsschule verbringen würdest? Warst du traurig, wenn eins fehlte, hattest du Angst um es, bis du es trafst und ihm die Lektion erklären konntest? Und was das andere betrifft, die Liebe zu denen, denen du dienst: Hast du sie geliebt bis zum Ende, wie Christus seine Jünger liebte?
Warst du freundlich zu ihnen? Und hast du sie mit deinem Mitgefühl überschwemmt? Haben deine Schüler dich geliebt? Oder verbrachtest du deine Zeit damit, sie zu beschimpfen und zu bestrafen, so dass sie keine Preise bekamen? Wer sagte dir, dass dieser Weg bei der Behandlung von Kindern der richtige ist?
Mein Freund Mensch, Liebe ist das Fundament des Dienens.
Wenn du deine Schüler nicht liebst, kannst du ihnen nicht dienen, und wenn sie dich nicht lieben, dann ist es unmöglich, dass du ihnen nützen könntest!“

Ich schämte mich sehr, als mir mein wahres Ich klar wurde.
Währenddessen sah mich der Engel freundlich und liebevoll an und sagte: „Ich möchte dir eine bedeutende Tatsache mitteilen. Es ist die, dass du eine lange Zeit der Vorbereitung und Erfüllung verbringen solltest, ehe du deinen Dienst antrittst. Du hast früh angefangen und hattest keine ausreichende geistige Erfahrung. Deshalb machtest du viele Fehler“.

Ich sah ihn fragend an, weil es mir hart schien, Fehler zu machen, während ich gefordert war, Fehler der anderen zu korrigieren. Der Engel antwortete meinem Blick und sprach: „Du hast einen Schüler aus der Klasse geschickt, weil er ungehorsam war und sich nicht einfügte. Dieses Wegschicken verursachte weiteren Ungehorsam und brachte ihn auf die Straße unter schlimme Freunde. Dann wurde er schlimmer als er vorher war; deine Einstellung hat ihm sehr geschadet, Führung und Fürsorge hat er ganz besonders vermisst. Du musst das verantworten, weil er deinem Dienst unterstand“.

Ich sagte: „Herr Engel, er hatte meine Lektion gestört und war ein schlechtes Beispiel für andere“.

Da sprach der Engel bitter: „Du hast ihm aus diesem Grund entlassen? Du Armseliger!. Hat Christus dich gesandt, nach den Gerechten zu sehen oder nach den Sündern? Deine heiligen Schüler, derentwegen deine Seele voller Selbstgerechtigkeit war, haben ihre Heiligkeit aus Gottes Wirken in ihnen. Und du hattest für den schlimmen Jungen zu sorgen, weil Gott dich berufen hat, für diese Art Kinder Sorge zu tragen!

Wenn du alle deine Anstrengungen unternommen hättest, um nur diesen einen Jungen zu retten, und hättest keine andere Aufgabe im Leben gehabt als diese Arbeit, wäre das ausreichend gewesen für den Einzug in die Stadt der Diener... Du solltest den Wert der Seele schätzen und viel geduldiger sein. Der Diener in der Sonntagsschule, dessen Vorbereitung ohne diese beiden Tugenden ist, ist nicht würdig, ein Diener zu sein“.

Bittend sagte ich zum Engel: „Was sollte ich deiner Meinung nach für diesen Jungen tun?“

Er antwortete: „Du musst ihm so dienen, wie du es kannst und seine Seele erforschen, um seine Probleme unter seinen Umständen zu lösen, und viel für ihn beten. Wenn du keinen Erfolg hast, schick ihn nicht weg, sondern gib ihn in eine andere Klasse. Vielleicht hat dein Kollege Erfolg mit dem, was du vergeblich versuchtest. Wenn diese Lösung das Problem nicht beseitigt, kannst du eine oder mehrere Schulklassen für diese schwierigen Jungen einrichten, in denen man ihnen besondere Behandlung nach ihren Verhaltensweisen angedeihen lässt. Du musst sie öfter als andere Jungen besuchen, sie fester in dein Herz einschließen, ohne jemals einen wegzuschicken. Sie sind nicht schlechter als Zachäus oder die Samarite­rin oder die Stadt Ninive in ihrem ersten Zustand. Ein Diener Gottes darf überhaupt nicht ver­zweifeln, solange er demütig betet und ein liebendes Herz hat“.

Ich bereute mein Verhalten, Doch fuhr der Engel fort: „Da gab es noch einen anderen Jungen, der zwei Wochen lang nicht in deine Klasse kam, und zwei Wochen lang hast du ihn nicht vermisst.
Alles, was du als offizieller Sonntagsschullehrer getan hast, war, ihn in die Liste der abwesenden Jungen einzutragen. Der Junge hat es ausgenutzt, dass du nicht nach ihn gesucht hat und blieb weiterhin fern. Und du hast sein Fernbleiben genutzt, um seinen Namen aus deiner Liste zu streichen“.

Der Engel sah mich streng an: „Warum hast du ihn nicht vermisst?“

Ich wurde schwach vor seinem strengen Blick, der harten Stimme und blieb still vor Angst

Er wiederholte seine Frage schärfer. In meinem Kopf war Sturm. Ich konnte nicht antworten. Der Engel zitterte vor Erregung und sagte: „Nun, seine geistige Lage ist besorgniserregend, und wenn es so weiter geht mit ihm, wird er...“ Der Engel konnte eine Weile nicht weiter sprechen, dann sagte er: „Ich und viele andere Engel beten für ihn, damit Gott ihn rettet.... Und wenn Gott unsere Gebete erhört und ihm einen treuen Diener sendet, und wenn der Junge ge­rettet wird, ist deine Verantwortung nicht aufgehoben...“

Seine Stimme war so leise und voller Schmerz, dass ich sie kaum ertragen konnte. Vor meinen Augen kreiste, was ich sah, meine Sinne schwanden. Als ich wieder erwachte, sah der Engel mich mitleidig an. Sein Blick half mir zu sprechen: „Vergeben sie mir, Herr Engel, in meiner Klasse sind dreißig Jungen, ich konnte nicht allen gerecht werden“
Er antwortete: „Du hast den Test nicht bestanden, du bist der Versuchung der Zahl erlegen... Gott misst den Dienst nicht nach der Zahl der Schüler, sondern nach der Zahl der Bekehrten und Reuigen... Ich weiß, es war für dich schwer, für dreißig Kinder zu sorgen mit Besuchen, Obhut, Fürsorge und Lehren. War es doch schon schwer für dich, nur ihre Namen zu behalten! Deshalb konntest du nicht mit Christus sprechen: „Meine Schafe hören meine Stimme und folgen mir“ (Joh 10, 27).
Warum warst du nicht wenigstens z. B. mit zehn Jungen zufrieden?

Ich zog es vor zu schweigen, weil ich keine Antwort fand.
Der Engel sagte mitleidig: „Kennst du den wichtigsten Grund für dein Versagen, den wir noch nicht erwähnten? Du hast dich auf dich selbst verlassen!

Du hast vergessen, für deinen Dienst zu fasten und zu beten. Deine Kollegen, die Sonntags­schullehrer in der Stadt der Diener fasteten und beteten besonders für ihre Klassen! Täglich erinnerten sie sich vor Gott an jeden einzelnen in ihnen, indem sie für jeden eine besondere Bitte an Gott richteten. Sie baten auch ihre Väter, die Priester, besondere Messen für diese Jungen zu lesen. Hast du das auch getan?
Alle dies zum geistigen Dienen. Was gibt es über deinen materiellen Dienst zu sagen?
Dachtest du, er sei zweitrangig? Wusstest du nicht, dass der reiche Mann, der zu Lazarus Zeit lebte, zur Hölle fuhr, weil er mit dem armen Lazarus kein Mitleid hatte?
Hörtest du nicht Christus sagen zu jenem zu seiner Linken: Denn ich war hungrig, und ihr habt mich nicht gespeist, und ich war durstig, und ihr habt mich nicht getränkt, ich war fremd, und ihr habt mich nicht aufgenommen, ich war nackt, und ihr habt mich nicht bekleidet, ich war im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht? (Mt 25, 41-43).
Was hast du getan?
Hast du weiterhin überflüssige Dinge gekauft, während deine Brüder unter dem Mangel am Nötigsten litten?

Ich konnte es nicht mehr ertragen und rief unter Schmerzen: „Genug, Herr Engel, jetzt verstehe ich, dass ich nicht verdiene, in die Stadt der Diener einzugehen, weil ich mir nur etwas vorgemacht habe. Doch jetzt, wo ich alles verstanden habe, bitte ich um eine neue Chance, als wahrhafter Diener zu handeln“.

Der Engel sprach zu mir: „Ich gab dir eine Chance, aber du hast sie nicht genutzt... Deine Erdentage sind zu Ende...

Ich weinte, bettelte und flehte. Er sah mit Liebe und Mitleid auf mich herab und verließ mich, und ich rief immer weiter: „Ich möchte eine neue Chance - ich möchte eine neue Chance“. .... Als er vor meinen Blick verschwand fiel ich auf die Knie und schrie: „Ich will eine neue Chance“ Um mich kreiste alles; ich fühlte nichts mehr ..

Zeit verging. Ich lag wie im Koma. Endlich erwachte ich, öffnete die Augen, und ich staunte. Mein Staunen wurde größer. Ich sah um mich und wollte es nicht glauben.
Als ich mich genauer besah, saß ich immer noch allein in Raum auf meinem Stuhl....

O, Barmherzigkeit Gottes! Ist es wahr, ich habe eine neue Chance bekommen, ein guter Diener zu sein!

Ich erhob mich und brachte Gott ein inniges Dankgebet dar.
Dann wollte ich meinen Brüder von allem erzählen, damit sie auch würdig werden, in die Stadt der Diener einzuziehen.
Ich nahm einige weiße Blätter und begann zu schreiben....
„Es geschah in jener Nacht“
 
aus "Befreiung der Seele" von Papst Schenuda III. 
 







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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 04. März 2010 um 14:55 Uhr