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Mittwoch, 21. April 2010 um 07:58 Uhr

Von der Defensive zur Offensive --
1683 Wiens zweite Türkenbelagerung
und die politische Konstellation von Europa
Die Schlacht um Wien

 

Fluchtartig und mittellos verließ Prinz Eugen Frankreich, König Ludwig XIV. hatte das Vermögen von Graf Soissons-Carignan aufgrund der Anschuldigungen an  Eugens Mutter, konfisziert, und Eugen schwor beim überschreiten der Grenze in die Niederland, Frankreich nurmehr mit der Waffe in der Hand zu betreten.
Skizzieren wir zunächst die  europäische politische Konstellation; die Wurzel für Wiens zweite Türkenbelagerung gehen auf das Jahr 1666 zurück. In der Schlacht bei Moggersdorf/St. Gotthard konnte der kaiserliche Feldherr Raimund Montecuccoli das osmanische Hauptheer unter ihrem Großwesir besiegen.
Aufgrund der Auseinandersetzung mit Frankreich, die beständig kaiserliches Hoheitsgebiet annektierten, wurde der sogenannte “Schandfriede” von Eisenburg mit den Osmanen geschlossen. Die ungarischen Adeligen waren mit dieser Politik nicht einverstanden, woraus die Magnatenverschwörung folgte. Die Habsburger als Erben der Stephanskrone, d.h. inthronisierte Könige von Ungarn waren, aber nur über nördliche und westliche Randgebiete verfügten, jedoch die Türken über einen großen Teil von Ungarn herrschten und die Islamisierung von Europa anstrebten.  

Wenige Jahre später ----
Der Großwesir Kara Mustapha belagerte Wien; es war die Neuauflage  der Türkenkriege. Am 31. März 1683 brach Kara Mustapha  mit seiner Streitmacht von etwa 200,000 Krieger von Istanbul über Sofia und Belgrad in Richtung Wien auf, wo sie am 4. Juli 1683 vor den Toren Wiens ihre  Zelte aufschlugen.
Der Belagerungsring  zog sich von der Einmündung der Schwechat in die Donau über die spärlich besiedelten Gebiet von Kaiserebersdorf, den Laaerberg, der Spinnerin am Kreuz, über die Anhöhen von Schönbrunn, Hietzing, Hernals, Währing und Döbling bis Heiligenstadt   und Nußdorf. 200,000 Angreifer standen 11.500 Verteidigern der Stadt gegenüber. Der Befehlshaber der Verteidiger war Ernst Rüdiger Graf Starhemberg und die Wiener Bürgerschaft folgte dem Bürgermeister von Wien, Andreas Liebenberg.  Kara Mustapha hatte die Absicht, Wien den goldenen Apfel der Christenheit, zu erobern. Noch vor der Annäherung des türkischen Heeres  haben etwa 50,000 - 60,000 Wiener die Stadt verlassen



Aus der Obersiebenbrunner Kirchenchronik geht hervor, dass etliche Kirchen unter denen auch die Kirche von Obersiebenbrunn sich befand, von den Türken niedergebrannt wurden und die Bewohner von Obersiebenbrunn und der anderen Orten im Marchfeld, von den Türken entführt oder getötet wurden. Vom 26. Juni 1683 bis zum 3. November 1683 scheint keine Eintragung in den erhaltenen Pfarrmatriken auf.Der Eigentümer vom Schloss Obersiebenbrunn, das als Zufluchtsort für die Bewohner des Ortes gedacht war, war seit dem Jahre 1676, Johann Heinrich Karl Graf von Kollonitz.
Die soziale Situation der Belagerten in der Stadt wurde immer prekärer, Wien war umschlossen, die Versorgung mit Nahrungsmittel war nicht mehr gegeben, und die rollenden Angriffe der Osmanen wurden immer intensiver. Seuchen, wie die rote Ruhr grassierten in der Stadt, und dezimierte die Zahl derer die einen verzweifelten Widerstand leistete gegenüber der osmanischen Übermacht.
Prinz Eugen folgte den Herzog von Lothringen nach Wien, und kämpfte am 13. Juli  mit dem Säbel in der Hand an der Seite des Markgrafen Ludwig von Baden-Baden gegen eine Abteilung von Osmanen die in die Vorstädte Wiens eingedrungen waren wo er eine beträchtliche Zahl von ihnen niedermachte. Das Entsatzheer unter Karl von Lothringen verstärkt durch die Streitmacht des Polenkönigs Johann Sobieski und den deutschen Hilfstruppen hatte sich formiert. Am 12. September 1683 wurde die Entsatzschlacht geschlagen; Eugen von Savoyen kämpfte an der Seite vom Markgrafen Ludwig am linken Flügel der kaiserlichen Armee, die über die steilen Abhänge des Leopoldsberges nach Nußdorf hinunter und entlang des Donauufers vordrang, den Belagerungsring der Osmanen durchbrach und sich mit Rüdiger von Starhemberg vereinigte,  der beim Schottentor einen mächtigen Ausfall auf die noch in Laufgräben verschanzten Türken unternahm, stürmte König Sobieski mit seinem Heer über die Abhänge des Kahlenberg und sprengte den Belagerungsring der Türken.  Fünf Tage später setzte das Entsatzheer  den in Richtung Ungarn fliehenden Osmanen nach, die bei ihrer überhassteten Flucht ihre Kriegskasse und Waffen zurück ließen, und Markgraf Ludwig, in dessen Gefolge Eugen von Savoyen kämpfte, nahm im Sturm die Osmanendomäne   Parkany, und Gran, seit 150 Jahren in türkischer Hand,  öffnete unaufgefordert die Tore für das kaiserliche Heer.
Bereits am 12. Dezember 1683 löste Kaiser Leopold I. sein Versprechen ein , und Prinz Eugen von Savoyen wurde aufgrund seiner taktischen und kriegerischen Eigenschaften zum Obersten  des Dragoner- Regiments Kuefstein ernannt.


Historische Quellen :Vgl.: Brigitte Vacha (HrsG) Die Habsburger, Verfasst von Walther Pohl und Karl Vocelka
Kapitel 6, Gegen Türken und Franzosen,   Verlag Styria
Vgl.: Max Braubach, Prinz Eugen von Savoyen, BD. 1, in Beitrag, Vom Volontär zum Feldmarschall
Verlag, für Geschichte und Politik 1963
Vgl.: Alfred v. Arneth, Prinz Eugen von Savoyen BD. 1,Kap.1

Mag. Adolf Baier e.h.

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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 06. Mai 2010 um 14:02 Uhr