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Freizeit, Freizeitaktivitäten
und Spiele bei den Kopten der Gegenwart
von El Bardanohi und Helga Diel
Einleitung
In einer deutschsprachigen, wissenschaftlichen Publikation als Kopte[1] über Freizeit und Freizeitaktivitäten bei den Kopten der Gegenwart zu schreiben, gestaltet sich schwieriger, als es im ersten Blick erscheint.
Die Schwierigkeit beginnt damit, dass es einen grundsätzlichen Unterschied im Verständnis des Begriffes ‚Freizeit’ gibt. Redet man im deutschsprachigen Kontext von ‚Freizeit’, so assoziiert man im Alltag in der Regel etwas Positives. Einer Zeit, in der man im sich Gegensatz zur ‚Arbeitszeit’ vergnügen kann. Je nach Altergruppe und Interessenslage werden in der Freizeit Aktivitäten unternommen, die ‚spaß’ machen, die ‚cool’ sind und ‚Action’ bieten, die ‚abwechslungsreich’ und ‚interessant’ oder die ‚erholsam’ sind und ‚Entspannung’ ermöglichen.
Im Arabischen dagegen, der Sprache, in der die Kopten von heute kommunizieren, gibt es ‚وقت فراغ’ (waktefarag), was als Begriff dem deutschen ‚Freizeit’ entspricht und auch im Gegensatz zur ‚Arbeitszeit’ verstanden wird. Der entscheidende Unterschied jedoch ist, dass der arabische Begriff ‚Freizeit’ eine eher negative Konnotation trägt. In der arabischen Alltagssprache assoziiert man mit waktefarag in der Regel die Zeit, in der man auf dumme Gedanken kommen und schlechte Dinge tun könnte. Unter den Kopten vor allem der älteren Generationen kommt das Konzept der ‚Sünde’ hinzu. ‚Freizeit’ also, als Gegensatz zur Zeit der ‚geistlichen Arbeit’, eine ‚leere’ Zeit in der man sich versündigen könnte.
Eine zweite Schwierigkeit, die die Erörterung der Freizeit und Freizeitaktivitäten bei den Kopten von heute mit sich bringt ist, dass es kaum Publikationen zu Alltagsthemen wie ‚Freizeit’ gibt, die annähernd das wiedergeben, was man aus der emischen Sicht, also aus der ‚Innenperspektive’ als Kopte im eigenen kulturellen Kontext erlebt und erfährt. Hauptquellen dieses Artikels sind daher bewusst vornehmlich Erfahrungen, Alltagsbeobachtungen und Gespräche mit koptischen Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren.
Freizeitgestaltung in der Kirche
Wie beschrieben, hat im koptischen Lebenskontext ‚Freizeit’ zunächst eine eher negative Begriffskonnotation. Als eine akzeptable Gestaltung der freien Zeit wird daher vor allem die Zeit gesehen, die man als Kopte in der Kirche verbringt. Bis zu sieben Stunden[2] in der Woche verbringt ein durchschnittlicher Erwachsene Kopte in der Kirche, um zu Beten, Lob zu preisen, Gottesdienste beizuwohnen aber auch um sein gesellschaftliches Netzwerk von Freunden, Verwandten und Bekannten zu pflegen.
Koptische Kinder und Jugendliche verbringen außerhalb des Hauses den meisten Anteil ihrer freien Zeit ‚in der Kirche’. In der Regel gibt es in den Kirchenhöfen Tischtennisplatten, Schachbretter und andere Brettspiele. Manchmal gibt es sogar einen kleinen Platz zum Fußballspielen. Viele koptische Eltern empfinden das Kirchengelände als den sichersten Ort an dem ihre Kinder nicht in die Gefahr laufen, als Minderheit in religiös bedingte Konflikte mit muslimischen Kindern auf der Straße zu geraten. Zudem kommt, dass christliche Kinder und Jugendliche in der Regel an öffentlichen Spielplätzen nicht geduldet und von diesen vertrieben werden.
Neben den täglich stattfinden Gottesdiensten, die zwischen zwei und drei Stunden dauern, werden an kirchlichen Festzeiten weitere Gebets- und Singstunden gehalten. Im Monat vor Weihnachten gibt es das ‚’ (kiahk)’ ein Lobgesang von einer Stunde täglich. In der Karwoche gibt es zusätzliche Abendgebete von je ca. zwei Stunden.
An Frei- und Sonntagen wird der Katechismus für Kinder und Jugendliche gelehrt. Während der Woche gibt es verschiedene Bibel- und Lehrstunden für Frauen, Männer und Jugendliche.
Für jede Altergruppe organisiert die Kirche in regelmäßigen Abständen zudem Ausflüge zu Klöstern, in die Kathedrale nach Kairo, ans Meer oder aber auch zu historischen Orten, die einen religiösen Bezug haben.
Freizeitgestaltung an heiligen Orten
Beliebte Ausflugziele für ein oder auch mehrere Tage von Kirchengruppen aber auch von nicht so religiösen koptischen Familien und Einzelpersonen sind die vielen Klöster[3] in Ägypten. Dort wird Verpflegung und eine Unterkunft umsonst angeboten. Für Gespräche und Seelsorge stehen erfahrene Mönche zur Verfügung. Die Ausflügler lassen sich segnen, beten, sitzen und unterhalten sich. Man wandert in Wüste, trifft Freunde, Bekannte und pflegt Netzwerke. Nur in der Fastenzeit dürfen Laien nicht in den Klöstern übernachten. Weitere beliebte Ausflugsziele sind Todesstätten von Heiligen und Orte von denen erzählt wird, dass die Heilige Maria dort erschienen ist wie z. B. in der Marienkirche in El Zaitoun in Kairo[4].
In der Zeit von Mai bis August reisen Millionen von Kopten um den Moulids El Aadra beizuwohnen. Es sind ca. zwei Wochen andauernde heilige Feste, die im Andenken an die Flucht der heiligen Familie an ihren verschiedenen Raststationen gefeiert werden. Weitere Moulids finden im Laufe des Jahres an Todesstätten von Martyrern und Heiligen statt.
Moulids sind ein wesentlicher Bestandteil der Freizeitgestaltung von Kopten. Ihr Ursprung ist ihnen nicht bekannt und fragt man danach, so hört man „Es gab sie schon immer und sie finden statt in welcher politischen oder wirtschaftlichen Lage sich das Land auch befindet“. Arme Familien, Bauern und Handwerker verbringen in der Regel die gesamte Zeit des Moulids beim Fest. Die koptische Mittel- und Oberschicht verweilt meist nur einen oder zwei Tage beim Moulid.
Das Moulids El Aadra in Gabal Al-Tayr in Samalot findet zum Beispiel jedes Jahr vom 5. bis zum 20. August statt. Familien von ganz Ägypten pilgern in das kleine Wüstendorf an dem Maria mit Joseph und Jesus eine Zeitlang gelebt haben soll. Sie gehen zur dort im 4. Jahrhundert gebauten Kirche, beten und lösen ihre Gelübde ein. Decken, Bargeld, Kerzen und Kleider werden einem Komitee gegeben, die es an Bedürftige die zum Fest gehen, um Almosen zu bekommen, weiterverteilen. Bei den Moulid Besuchern, wird alles ums ‚Fleisch’ groß gefeiert und ist Anlass zur Spannung, Freude und Vergnügen. Das Mitgebrachte Tier wird gemeinsam geschlachtet und geviertelt. Ein Viertel wird für die Unterkunft dem Hausbesitzer gegeben, ein Viertel wird das gemeinsame Familienfestmahl, das dritte Viertel ist Wegzehrung und das letzte Viertel wird der Kirche gespendet, vom dem die Familie dann einen Segen erhält.
Stände werden im ganzen Dorf und bis in die Wüste aufgestellt. Es gibt Reihen von Ständen an dem eingelegter Fisch gekauft werden kann, andere bieten Süßigkeiten und Körner an und vor allem die Stände an dem Kinderspielsachen aus Ton, Stoff und seit einigen Jahren Plastik verkauft werden gehören zu jedem Moulid dazu. Zu kaufen gibt es heute noch Tonpuppen, Stoffpuppen Pferde auf Rädern, Trommeln und Vogelpfeifen wie sie vom Alten Ägypten in Museen[5] ausgestellt sind. Auf dem Festgelände stehen Holzschaukeln für Kinder und Schießstände für Jugendliche.

Stoffpuppen Trommeln
Mit Spannung erwarten alle im Fest, dass die Heilige Maria auf der Kuppel der Kirche erscheint. Tausende versammeln sich ab dem vorletzten Moulid-Tag um die Kirche herum. Aufgeregtes Reden und Jubeln geht durch die Menge. Sie schreit „Wir sind Zeuge oh Mutter des Lichts“. Man erzählt sich, dass die Heilige Maria sich in starkem weisen Licht gehüllt und mit Tauben jedes Jahr an diesem vorletzten Tag vor Moulid-Ende den Besuchern zeigt.
Freizeitgestaltung zu Hause
Freizeitgestaltung in den koptischen Häusern gestaltet sich als soziales Geschehen. Wichtigstes Element ist das Zusammensein der Familie. Man sitzt beieinander, unterhält sich, isst zusammen und am meisten wird gemeinsam Fernsehen geschaut. Familienangehörige und Freunde besuchen sich gegenseitig. In der Regel abends oder an den Wochenenden verbringt man viel Zeit in großer Gesellschaft mit Verwandten und Freunden.
Sind Kinder noch Klein, wird mit ihnen gesungen, Fingerspiele gemacht und Reime gesprochen. Dazu ein paar Beispiele:
Ein Reimspiel:
Schüttle Deinen Kopf
Die Mutter nimmt die Hände des Kindes, schaukelt es hin und her und singt wiederholt:
„Schüttle Deinen Kopf kleiner Spatz.
Zwischen den Linsen und Bohnen.“
Ein Reimspiel:
Hoser[6]
Die Mutter nimmt die Hände des Kindes und schaukelt es vor und zurück und singt wiederholt:
„Hoser, Oh Onkel Ali
Hoser Käse und Nabak[7]
Hoser der Teller ist voll
Hoser ich habe es alles aufgegessen“

Hoser
Ein Fingerspiel:
Getreidetopf
Die Mutter nimmt den Daumen des Kindes in ihre Faust und streckt dabei ihren Daumen hoch. Das Kind wiederum nimmt den Daumen der Mutter in ihre Faust und streckt den eigenen Daumen hoch. Die Mutter bewegt ihre Hände und die Ihres Kindes im Kreis und singt wiederholt:
„Oh, Getreidetopf schaukle Dich, schaukle Dich.
Was isst Du Datteln oder Reis.“

Getreidetopf
Ein Liedspiel:
Hallelu[8]
Die Muter klatscht in die Hände im Rhythmus und singt oder nimmt ihr Kind unter die Arme und lässt das Kind hoch und runter hopsen:
Hallelu oh hallelu oh hallelu
Lass den Juwelier
Einen Ring machen
Einen Ring für sein Ohr
(zeigt auf des Kindes Ohr)
Hallelu oh hallelu oh hallelu
Lass den Juwelier
Einen Ring machen
Einen Ring für seine Nase (zeigt auf des Kindes Nase)
Hallelu oh hallelu oh hallelu
Lass den Juwelier
Einen Ring machen
Einen Ring für seinen Mund (zeigt auf des Kindes Mund)
Hallelu oh hallelu oh hallelu
Lass den Juwelier
Einen Ring machen
(usw. weitere Körperteile)
Ein Fingerspiel:
Das ist das Ei
Die Mutter nimmt die Hand des Kindes offen in ihre Hand. Dann nimmt sie den kleinen Finger, faltet diesen ein und sagt:
Das ist das Ei.
Sie nimmt den Ringfinger, faltet diesen ein und sagt:
Das ist der, der das Ei gekocht hat
Dann nimmt sie den Mittelfinger und sagt:
Das ist der, der das Ei geschält hat
Dann nimmt sie den Zeigefinger und sagt:
Das ist der, der das Ei in Fett gebraten hat
Dann nimmt sie den Daumen und sagt:
Das ist der, der das Ei gegessen hat.
Dann krabbelt sie mit ihren Fingern den Arm des Kindes hoch und kitzelt das Kind am Bauch und sagt dabei:
Kidda kidda ho.

Das ist das Ei
Ein Fingerspiel
Mademaid[9]
Das Kind und die Mutter legen ihre Hände flach auf den Boden. Die Mutter zeigt abwechselnd auf den Handrücken des Kindes und auf ihren und singt:
Alles hart und alles zum fangen
Du derjenige, der Quichque isst
Esse nicht im vorbeilaufen
Eine Schlägerei beginnt
Im Norden des Sees
Niemand hat angefangen außer der Zimzaam
Und der Zimzaam reitet einen jungen Esel
Der ihn mit Stöcken schmückte
Honkol, Donkol den da, lüpfe hoch
Den da nimm ihn weg
Mademaid
Ein Tragespiel:
Boh
Die Mutter trägt ihr Kind auf den Schultern, während sie auf den Füssen und Händen geht dann ruft sie „Boh“ so wie die Lupinenverkäufer rufen, wenn sie die Lupine in Tüten packen, mit auf dem Esel nehmen, um sie zu verkaufen.
Die Mutter bleibt stehen und macht so, als ob sie mit einem Käufer reden würde, der von ihr Lupinen kaufen will.

Boh
Ein Kinderlied:
Ein Nagel
Ein Nagel hier und ein Nagel hier.
Meine Herrin, die Jungfrau wohnt hier
Sie trägt ihren Sohn auf ihrem Schoß
Gott bewahre ihn für sie.
Ein Kinderlied:
A schar
A schar, ja aschar ja baschar[10]
Erwürge eine Katze und hole eine Maus
Und warte auf mich, vor der Haustüre
Bis ich das Werkzeug und die Säge hole
Du Kücken, geh auf den Markt
Hole ein Ei von der Kiste
Esse es nicht, damit Du nicht einen plötzlichen Tod erleidest
Ein Kinderlied:
Oh Du mit offenen Haaren
Oh Du mit offenen Haaren
Ich dreh es um mein Pferd
Mein Pferd kam ins Zimmer
Das Zimmer hat keine Treppe
Die Treppe ist beim Schreiner
Der Schreiner braucht einen Nagel
Der Nagel ist beim Schmied
Der Schmied braucht ein Ei
Das Ei ist beim Huhn
Das Huhn braucht ein Weizenkorn
Das Weizenkorn ist beim Händler
Der Händler braucht Geld
Das Geld ist unter dem Messbecher
Ein Kinderlied:
Lass mich heiraten
Die Mutter singt dem Kind vor
„Lass mich heiraten Mutter
Lass mich heiraten Mutter
Jawohl mein Sohn
Du sagst mir immer jawohl - bis mir ein Bart wächst
Wirklich wahr, ich gehe in die Stadt und verlobe mich mit einem hübschen Mädchen
Ich werde ein richtiger Mann.“
Ein Gute Nacht Lied:
Ho, ho nena ho
Ho, ho nena ho[11]
Komm Schlaf
Komm Schlaf
Ich schlachte Dir
Zwei Taubenpaare
Ich werde der Taube sagen:
Oh Taube, oh Taube
Ich mache mich nur lustig
Nur damit mein Kindlein schläft
Komm Schlaf
Komm Schlaf
Beruhige Dich
Beruhige Dich
Ho, ho nena ho
Komm Schlaf
Komm Schlaf
Ich schlachte Dir
Zwei Kückenpaare
Ich werde dem Kücken sagen
Oh Kücken, oh Kücken
Ich mache mich nur lustig
Nur damit mein Kindlein schläft.
Freizeitgestaltung auf der Straße und an öffentlichen Plätzen
Werden die Kinder größer verbringen sie einen Hauptteil ihrer freien Zeit außerhalb des Hauses. Dies gilt für sowohl Kinder, die in der Stadt wie auch diejenigen die auf dem Land leben. Abgesehen von den davor erwähnten Spielen wie Tischtennis, Schach oder Fußball die vor allem in den Kirchenhöfen gespielt werden, gibt es Spiele die von einer Generation zur nächsten übertragen wurden und heute noch auf den Straßen gespielt werden. In einigen dieser Spiele werden altägyptische Wörter verwendet, die darauf schließen lassen, dass diese Spiele eine lange Tradition haben. In den Gräbern von Bani Hassan[12] deuten die Zeichnungen darauf hin das Gruppenspiele und vor allem Ballspiele bereits in der Zeit des Mittleren Reiches bekannt waren. Auch heute noch werden alle Arten von Gruppenspielen und vor allem Ballspiele von koptischen Kindern aber auch von Erwachsenen gerne gespielt. Hierzu ein paar Beispiele:
Al Milan[13]
Spieler A nimmt den Ast einer Palme und nimmt es von der dünnen Seite
Spieler B schmeißt einen kleinen Ball in die Luft, den Spieler A dann mit der dicken Seite des Astes treffen muss und so weit wie möglich schießen muss. Spieler C von der gegnerischen Mannschaft muss versuchen den Ball zu fangen, bevor dieser auf den Boden trifft. Gelingt ihm dies, so erhält seine Mannschaft einen Punkt und seine Mannschaft ist am Zug. Gelingt es ihm nicht erhält die andere Mannschaft einen Punkt und darf weiterspielen.
Al Milan
Fische fangen
Dieses Spiel hat kein Ende und wird von einer Gruppe mit einer geraden Zahl gespielt, damit sie sich in zwei Gruppen einteilen können.
Die Spieler teilen sich in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe stellt sich mit ihren Spielern auf zwei Seiten des Feldes. Zwischen ihnen wird genügend Platz für das Spiel gelassen. Die andere Gruppe steht in der Mitte also zwischen den Spielern der ersten Gruppe.
Dann versuchen die Spieler der ersten Gruppe mit einem kleinen Ball einen oder mehrere Spieler der zweiten Gruppe zu treffen. Wird jemand getroffen und kann dieser den Ball nicht fangen, scheidet er aus dem Spiel aus. Fängt er den Ball, so gilt dies als ein ‚Ei’. Mit dem Ei kann der Spieler einer seiner Kameraden ‚erlösen’ und wieder in das Mittelfeld holen. Der Spieler kann jedoch auch das ‚Ei’ als Punkt für sich selbst aufheben. Ist das Mittelfeld leer, darf die erste Gruppe ins Mittelfeld und die zweite Gruppe darf an die Seiten des Feldes und das Spiel fängt von vorne an.
Ein Spiel für Mädchen:
El taalab fat: Der Fuchs ist vorbei gegangen
Bei diesem Spiel stehen die Spieler nebeneinander in einem geschlossenen Kreis nur ein Mädchen steht außerhalb des Kreises. Es hält ein Taschentuch in der Hand und singt. Die Spieler im Kreis antworten.
Das Mädchen: Der Fuchs
Die Gruppe: Schon gegangen, schon gegangen
Das Mädchen: Und in seinem Schwanz
Die Gruppe: Sieben Mal umkreisen[14]
Das Mädchen: Und die Bärin
Die Gruppe: In den Brunnen gefallen
Das Mädchen: Und ihr Besitzer
Die Gruppe: Ein Schwein
Das Mädchen: Ist der salaoi[15] Fuchs vorbei gegangen?
Die Gruppe: Vorbeigegangen vorbei gegangen und in seinem Schwanz sieben umkreisen.
Das Mädchen: Ich habe einen Brief für meine Freundin geschrieben
Unterwegs ist er von mir runter gefallen. Bestimmt hat ihn einen von Euch genommen.
(Sie zeigt mit ihrem Finger auf die Mädchen in der Gruppe und sagt) Diese, diese, diese oder diese.
Dann wirft sie das Taschentuch hinter ein bestimmtes Mädchen von der Gruppe. Beide rennen zusammen um den Kreis und versuchen jeweils als erste den leeren Platz zu erreichen. Wer den Platz nicht kriegt bleibt draußen und singt dasselbe Lied noch ein mal usw.

El taalab fat
Ein Ballspiel für Mädchen:
Oh Du, der auf dem Baum klettert
Das Mädchen dribbelt mit dem Ball und singt mit dem Rhythmus des Ballaufschlags:
Oh Du, der auf dem Baum klettert
Bring für mich eine Kuh
Sie wird Milch geben
Und mir mit einem Porzellan Löffel zu trinken geben
Der Löffel ist kaputt gegangen
Wer wird mich erziehen
Abdallah hat mich erzogen
Ein Ballspiel für Mädchen:
Hatta[16], oh Ente
Das Mädchen dribbelt mit dem Ball und singt mit dem Rhythmus des Ballaufschlags:
Hatta, oh Ente
Oh Kinn der Katze
Saida kommt von Garbeia
Saug am Zuckerrohr
Sitz auf einen goldenen Teppich
Das ist ein Wassertopf
Das ist dessen Deckel
Und das ist Jesus bei dem wir gewesen sind
Ein Spiel für Mädchen:
Wer ist über dir?
Ein Mädchen bückt sich nach unten. Auf ihren Rücken legt sich ein anderes Mädchen. Rücken an Rücken verschränken sie ihre Arme. Das Mädchen unterhalb singt und fragt das Mädchen oberhalb:
Wer ist über dir?
Das obere Mädchen antwortet:
„Gott“ und fragt dann:
Wer ist unter dir?
Das untere Mädchen antwortet:
„Geröstete Kichererbsen, komm runter und lese sie auf.“
Die zwei Mädchen wechseln ihre Positionen. Das untere Mädchen legt sich oben auf das andere Mädchen und das Spiel fängt von neuem an.
Wer ist über dir
Ein Spiel für zwei Mädchen:
Fatna, die Bauchtänzerin
Fatna, die Bauchtänzerin, jello[17]
Sie haben mich hintergangen, jello
Haben mein Geld genommen, jello
Und sind gegangen, jello
Hinter mein khususi,[18] jello
Ich werde zum Richter gehen, jello
Ich werde ihm sagen, jello
Fatna, die Bautänzerin, jello
Hat mich hintergangen, jello
Ein Spiel zur Spielerauswahl:
Leer und Voll
Ein Kind nimmt entweder einen kleinen Stein oder ein Heustück in eine Hand.
Das Kind versteckt seine Hände hinter ihrem Rücken und nimmt den Gegenstand von einer Hand in die andere und streckt sie dann vor
Eine nach dem anderen dürfen die anderen Kinder raten in welcher Hand er es ist. Ist die Hand leer, muss das Kind in die gegnerische Mannschaft oder darf nicht mitspielen.

Leer und Voll
Ein Spiel zur Spielerauswahl:
Kilobamius
Ein Spiel für drei Spieler
Die Kinder legen in der Luft ihre Hände aufeinander mit dem Handrücken nach oben
Sie schwingen gemeinsam die Hände hoch und runter und sagen dabei: Kilobamius
Schwingen dann die Hände nach hinten um sich dann in der Mitte entweder mit dem Handrücken nach oben oder unten zu treffen.
Der Jenige, dessen Hand anders gelegt ist als die anderen ist raus, oder muss die anderen Fangen.

Kilobamius
Ein Spiel für Jungen:
Auwel Senno[19]
Ein Spieler mit einem Ball in der Hand steht zum Rücken gegenüber den anderen Spielen und wirft den Ball nach hinten.
Die anderen Spieler versuchen den Ball zu fangen, derjenige, der ihn fängt darf werfen.

Auwel Senno
Ein Spiel für Jungen:
Da Ghamil
Ein Spiel für eine unbegrenzte Zahl an Spielern. Für das Spiel braucht man:
Eine Pfütze und nassen Lehm.
Eine unbegrenzte Zahl an ca. 40 cm langen, stabilen, geraden und scharfen Holzstücke für die Spieler.

Da Ghamil
Der erste Spieler muss mit Kraft seinen Stock in die Pfütze werfen, mit dem Ziel dass der Stock in der Pfütze steht.
Der nächste Spieler muss seinen Stock in die Pfütze werden, mit dem Ziel den Stock seines Vorspielers umzuwerfen. Schafft er dies, bekommt er beide Stöcke. Schafft er es nicht bekommt der erste Spieler beide Stöcke.
Ein Spiel für Jungen:
Sefr Triko, Trik-Trak, Halbasch walla mea[20]
Für das Spiel braucht man:
Zwei Steine,
Ein ca. 40 cm langes Stück Holz (Sefr)
Ein ca. 15 cm langes Stück Holz mit spitzen Enden (Triko)
Das Sefr legt man auf die zwei Steine.
Der erste Spieler nimmt das Sefr von den zwei Steinen auf, nimmt gleichzeitig das Triko an der Spitze in die Andere, schlägt mit dem Sefr auf das Triko und versucht es so weit wie möglich fliegen zu lassen. Gemessen wird nach drei Schlägen der Abstand zwischen dem, wo der Triko gelandet ist und den zweiten Steinen. Verwendet wird dazu das Sefr.
Ein Spiel für Mädchen und Jungen:
Siga
Die Kinder malen auf dem Boden ein Quadrat mit neuen Feldern. Jedes der zwei Spieler sucht sich jeweils drei gleichartige Gegenstände (kleine Steine, Stücke Holz etc.), die er auf die drei Felder vor ihm legt. Die mittleren Felder bleiben leer. Abwechselnd bewegen die Spieler ihre Gegenstände um ein Feld vor oder zurück, gerade oder diagonal immer mit dem Ziel drei in eine Reihe zu bekommen bzw. Bestrebungen des Gegners zu blockieren. Derjenige, der zuerst eine Diagonale zieht hat gewonnen.

Siga
Ein Spiel für Mädchen und Jungen:
Fünf Körner
Der Spieler hat fünf kleine Steine, legt sie auf den Handrücken, wirft sie in die Luft und lässt vier davon auf dem Boden fallen und versucht einen Stein zu fangen. Der einzelne Stein wird auf den Handrücken gelegt, in die Luft geworfen im Versuch diesen zu fangen, wird gleichzeitig angestrebt einen der Steine vom Boden aufzunehmen. Dann werden beide Steine auf den Handrücken gelegt usw. Am Schwierigsten ist die vier in der Luft fliegenden zu
fangen und dabei den letzten Stein auf den Boden aufnehmen zu wollen.

Fünf Körner
Lamsa
Eine unbegrenzte Anzahl an Kindern wird in zwei Gruppen geteilt. Ein Gruppe darf ‚fliegen’ d. h. nachdem die andere Gruppe auf drei gezählt hat wegrennen. Schafft es die andere Gruppe einer der ‚Flieger’ zu fangen, müssen sie darauf achten, dass keiner der anderen ‚Flieger’ den Gefangenen berühren kann. Schafft ein anderer ‚Flieger’ den gefangenen ‚Flieger’ zu berühren ist dieser frei und kann wieder fliegen. Erst wenn alle ‚Flieger’ gefangen sind dürfen die anderen ‚fliegen’.
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Wie Kinder haben Jugendliche und Erwachsene, neben den Freizeitaktivitäten in der Kirche, an heiligen Orten und im Haus, auch auf der Straße und an öffentlichen Plätzen Möglichkeiten ihre Freizeit aktiv zu gestalten.
Dazu gehören für junge und erwachsene Männer in die Kaffees zu gehen, dort Tee oder Kaffee zu trinken, Wasserpfeife zu rauchen, Spiele zu spielen[21] und mit Freunden zu reden. Diese Form der Freizeitaktivität wird jedoch von der Kirche aber auch von der ‚guten’ koptischen Gesellschaft nicht gerne gesehen.
Frauen unter sich gestalten nur in seltenen Fällen ihre Freizeit auf der Straße oder an öffentlichen Plätzen wie Kaffees, Restaurants, Kinos oder Theater. Einkaufen als Aktivität wird dagegen jedoch gängig praktiziert.
Im Verbund sieht man koptische Familien häufig in Restaurants. Kinos oder Theater werden zwar auch gemeinsam besucht, allerdings gehen die Meinungen über dessen gesellschaftliche bzw. kirchliche Akzeptanz auseinander. Einige Kopten der Mittel- und Oberschicht gehen in den letzten Jahren zunehmend an touristische Urlaubsorte wie ans Rote Meer, nach Alexandrien oder in die Vergnügungsparks nach Kairo um dort ihre freie Zeit zu verbringen.
Resümee
Freizeit und Freizeitaktivitäten bei den Kopten der Gegenwart finden wie beschrieben hauptsächlich im kirchlich-religiösen Kontext statt. Die Pflege des gesellschaftlichen Netzwerks und das gemeinschaftliche Zusammensein von Familien und Freunden spielen dabei eine große Rolle. Freizeit und Freizeitaktivitäten in diesen Zusammenhängen erfüllen aus einer ‚Innenperspektive’ eine entscheidende Funktion, nämlich den Aufbau und die Sicherstellung des gesellschaftlichen Zusammenhalts unter der religiösen Minderheit der Kopten. Gleichzeitig birgt dieses Zusammensein und das Zusammenkommen an ganz bestimmten Orten auch die Gefahr mit sich für fundamentalistische Islamisten ein einfaches Angriffsziel zu sein, wie man bereits in den 1980’er und 1990’er erleben musste.
Quelle:
Spiel am Nil
Unterhaltung im Alten Ägypten
Phoibos Verlag ,Wien 2004
[1] Ursprünglich kommt das Wort ‚Kopt’ kommt vom griechischen ‚Aegyptios’, was so viel bedeutet wie ‚Ägypter’. Heute werden Christen in Ägypten von Arabern und den ägyptischen Muslimen als ‚Kopten’ bezeichnet. Mitglieder anderer christlicher Konfessionen in Ägypten wie Protestanten und Katholiken bezeichnen nur die orthodoxen Christen als die ‚Kopten’. In diesem Artikel verwenden wir den Begriff ‚Kopten’ für die orthodoxen Christen in Ägypten. Offizielle Regierungsstatistiken beziffern ihre Zahl auf ca. 2,5 Millionen. Kopten selbst schätzen sich auf 10 bis 13 Millionen. Nicht Gegenstand der Betrachtung sind die koptischen Christen, die außerhalb Ägyptens leben.
[2] Diese Schätzung basiert auf Aussagen von Kirchenvertretern. Genaue Statistiken wurden zu diesem Thema noch nicht erhoben.
[3] Beliebt sind vor allem ist das Kloster Anba Bishoy, Deir El Syrian, Abu Makar, El Moharak, Anba Bola, Anba Antonious und Mari Girgis.
[4] Dieser Ort ist seit der Marienerscheinung im Jahre 1968 ein Pilgerort.
[5] Siehe auch: Dr. Labib, Bahor, 1978: Al Fan Al Qepty. S.41
[6] Das Wort ‚حوذر’ (hoser) hat im Arabischen keine Bedeutung.
[7] ‚نبق’ (Nabak) ist eine kleine, grüne Frucht.
[8] ‚هاليلو’ (Hallolu) hat im Arabischen keine Bedeutung.
[9]‚معدمعيد’ (Mademaid) hat im Arabischen keine Bedeutung
[10] ‚عشار يا بشار’ (A schar, ja aschar ja baschar) hat im Arabischen keine Bedeutung
[11] ‚هو ننه هو’ (Ho, ho nena ho) hat auch im Arabischen keine Bedeutung.
[13] Das Wort ‚ميلان’ (milan) hat im Arabischen keine Bedeutung
[14] Auch im Arabischen „في ديله سبع لفات“ ergibt diese Antwort keinen eindeutigen Sinn.
[15] Auch im Arabischen „السحلاوي“ hat salaoi keine Bedeutung
[16] „حطة“Hatta hat im Arabischen keine Bedeutung, reimt sich jedoch mit dem Wort Ente: ‚بطة’ (bata)
[17] Das Wort ‚يللو’ (jello) hat im Arabischen keine Bedeutung
[18] Das Wort ‚خصوصي’ (khususi) hat im Arabischen keine Bedeutung
[19] Das Wort ‚سنو’ ( Senno) kommt von der altägyptischen Sprache und bedeutet ‚zwei’ (siehe Kamal, Muharam: Atar hadarat al faraina fi hajatina il. Dar-al Kilal: 1956, S. 38 und 39.)
[20] [20] Das Wort ‚سفر تريكو، تريك تراك ، هلبش ولا مية’ (Sefr Triko, Trik-Trak, Halbasch walla mea) hat im Arabischen keine Bedeutung
[21] Beliebt sind vor allem Schach, Domino und Backgammon
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