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Mittwoch, 09. Juni 2010 um 12:18 Uhr

Die Nonne


 

Nur ein Prozent für die Kopten  als Polizist und bleibt in die selber koptische Familie

Sie ist eine der jungen Frauen und Männer, die durch die Gedichte des Eremiten und späteren koptisch-orthodoxen Papstes Schenuda eingenommen wurden. Es waren junge Leute, die sich nirgendwo zugehörig fühlten und die Gedichte des Papstes weckten in ihnen die Sicherheit, das sie ein Teil von etwas sind, was größer ist als eine irdische Identität. Der Sänger, der die Gedichte des geistlichen Vaters vertont und verbreitet hat, sang sie mit einer nostalgischen und kräftigen Stimme, die das Innere dieser jungen Frauen und Männer zur unendlichen Weite geöffnet hat. Er singt von der Freiheit der Seele und von den inneren Kämpfen gegen die Schwächen des Körpers. Viele dieser Generation gingen in die Klöster der Wüste um diese Ideen umzusetzen. Viele anderen versuchten die Freiheit des Geistes in der Welt zu leben.

 

Sie ist die Tochter eines Polizeioffiziers. Polizeioffiziere sind wichtige Leute. Das Schicksal der Menschen in der Stadt liegt in den Händen der Polizeioffiziere. Die Verwandte und Freunde eines Polizeioffiziers haben ein einfacheres Leben. Sie werden von den Leuten in der Umgebung respektiert und gefürchtet und selbst bekommen sie jederzeit die Papiere, die sie benötigen.

 

Sie war eine hübsche aufgeweckte junge Frau und hatte das Leben vor sich. Viele junge Männer wollten sie heiraten. Sie war eine gute Partie: hübsch, höflich, intelligent und vor allem - sie war die Tochter eines Polizeioffiziers. Ihre Eltern, Verwandte und Bekannte waren empört, als sie hörten, das sie sich entschlossen hat ins Kloster zu gehen. Ihre Mutter legte sich in ihr Bett, weinte und schrie, dass sie Sterben würde, wenn ihre Tochter ins Kloster ginge. Aber sie ließ sich nicht von ihrem Vorhaben abhalten.

 

Das Leben im Kloster war schwer. Sie musste viele Prüfungen durchlaufen. Die ältere Nonnen bestimmten über alles was sie zu tun hat. Wann und was sie essen darf. Wann und wie viel sie schlafen darf und vieles mehr. Sie wollten sehen, ob ihr Stolz oder ihr Körper ihr wichtig ist: ob Hunger, Durst, Hygiene oder Aussehen Dinge waren, die ihr etwas bedeuteten oder nicht.

 

Sie wurde angenommen und wurde Nonne. Nach einigen Jahren im Kloster wurde sie gebeten, das Kloster zu verlassen, um in der Welt gute Dienste zu leisten. Sie wurde in eine Gemeinde nicht weit von meiner Stadt geschickt. Dort gab es eine Gruppe von elf hilfsbedürftigen Menschen mit geistiger Behinderung, die immer wieder in die Kirche kamen um nach Unterstützung zu bitten. Die Kirche bot geistliche Betreuung an, aber es reichte nicht.

 

Diese Leute hatten ein schweres Leben. Sie lebten zwar bei ihren Verwandten aber sie hatten keinen richtigen Platz zu Hause. Niemand wollte sie. Sie hatten keine Zukunft. Fuad zum Beispiel war vierzig Jahre alt und konnte sich nicht selbst versorgen. Er konnte nicht arbeiten und Geld verdienen. Er lebte mit seinem Bruder im Haus. Der Bruder nahm ihm regelmäßig seine Waisenrente weg. Er konnte sich nicht dagegen wehren. Der Bruder sagte, Fuad wird von den Nachbarn und Gott versorgt, er brauche das Geld nicht. Salwa ist Mitte zwanzig. Auch sie kann sich nicht selbst versorgen und sie hat niemandem, der sich um sie kümmert. Sie lebt in eine Wohnung, in der die Kirche ältere Leute betreut, die keinen Platz haben an dem sie sterben können. Von Murkus erzählt man, dass er als junger Mann einen Geist gesehen hat. Seitdem rede er nicht mehr, faltet seine Hände dicht vor seinem Gesicht oder umarmet seinen Körper ganz fest. Diese drei und die restlichen acht können auch nicht auf der offenen Straße Leben, denn sie haben es nicht gelernt auf der Straße überleben zu können. Die Nonne wollte einen geschützten Wohnort für diese 11 Leute haben. Sie suchte nach einem Platz, wo sie mit ihnen Leben konnte. Sie hatte jedoch kein Geld, um mit ihnen eine Wohnung oder ein Haus in der Stadt zu mieten.

 

Sie fand keinen erschwinglichen Ort als in der Wüste. Dort kostet das Land zwar nichts, aber es gab weder Wasser noch Strom. Sie und ein Teil der Gruppe fingen an eine kleine Hütte zu bauen. Auch andere Jugendliche halfen mit und brachten ihr Zement, Steine, andere Baumaterialien, Wasser und zu Essen in die Wüste.

 

Jemand zeigte sie bei der Polizei an. Anklage war, dass sie eine religiöse Stätte ohne Genehmigung in der Wüste bauen würde. Die Polizei befahl ihr bei der Polizeistation zu erscheinen um ihre Situation zu klären. Vor allem für eine Frau in die Polizeistation erscheinen zu müssen ist eine sehr schwere Angelegenheit. Polizisten sind in der Regel so geschult als harte Männer Kriminelle gnadenlos zu behandeln. Der Offizier warf ihr vor, dass sie ohne Genehmigung eine religiöse Stätte baue. Dieses Vergehen ist in Ägypten eines der schwersten Verbrechen denen man bezichtigt werden kann. Sie antworte, dass sie eine Hütte baue, für Leute die in Not sind. Er antwortete, dass sie sich hinter ihnen verstecken würde und dass sie sofort mit ihrem Bau aufhören solle. Sie dürfe erst weitermachen, wenn Sie eine Genehmigung habe. Sie erklärte, dass es fast unmöglich sei eine solche Genehmigung zu bekommen. Der Polizist insistierte, entweder sie höre auf oder die baut mit Genehmigung weiter. Ein paar später holt die Polizei wieder und bedroht sie damit, dass sie einen Bulldozer holen würden, um die Hütten niederzumachen. Sie antwortete, dass wenn sie einen Bulldozer holen würden, um die Hütte zu zerstören würde sie die elf nehmen, um mit ihnen im Polizeirevier zu leben. Der Polizist änderte seinen Ton. Er wurde netter, sagte dann aber, er könne es nicht dulden, dass sie ohne Genehmigung weiterbaue, er würde seinen Job verlieren.

 

Die Nonne arbeitete unter großen Anstrengungen mit ihren Netzwerken und die ihres Vaters und erreichte es schließlich einen Termin mit einem hohen Ministeriumsbeamten zu bekommen. Beim Termin hörte der Beamten ihr genau zu und betonte mehrfach, wie sehr er es schätzt, dass sie sich um die Behinderten der Gesellschaft kümmere. Er schreibt ihr die gewünschte Genehmigung. Voller Glück hält sie das für sie so wertvolle Dokument in der Hand. Der Beamte begleitet sie zur Tür seines Büros und macht sie zu. Im Sekretariat daneben bittet sie der Sekretär des Beamten mit einem höflichen Lächeln im Gesicht, um das Dokument, damit er einen Blick darauf werfen könne. Der Sekretär nahm das Papier, wirft ein Blick drauf, um sicher gehen, dass es die Genehmigung ist und zerreißt das Dokument, geht zurück in sein Büro und arbeitet weiter, als sei nichts geschehen.

 

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