Gerichtsurteil soll christliche Eheschließungen in Ägypten erschweren
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Metaos Wahba: fünf Jahre Haft. Bild: coptnews.net
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Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea haben den koptisch-orthodoxen Pfarrer Metaos Wahba als "Gefangenen des Monats November 2008" benannt und zur Unterstützung für ihn aufgerufen. Der Geistliche war am 12. Oktober 2008 von einem Gericht in der ägyptischen Hauptstadt Kairo wegen angeblicher "Urkundenfälschung" zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Metaos Wahba, Pfarrer der Santa-Maria-Kirche bei Giseh nahe Kairo, hatte eine zum Christentum konvertierte Muslimin und einen Christen getraut. Er stellte ihnen eine Heiratsurkunde aus, ohne zu wissen, dass die Papiere der Braut gefälscht waren.
In Ägypten, wo der Islam sunnitischer Prägung Staatsreligion ist, wird der Übertritt vom Islam zu einem anderen Glauben als Verbrechen angesehen und entsprechend bestraft. Ex-Muslime erleiden Diskriminierungen und müssen größte Probleme überwinden, wenn sie ihre Personalpapiere umschreiben lassen wollen. Auch im Berufsleben ist der beurkundete Religionswechsel mit größten Nachteilen verbunden. Die meisten Neuchristen praktizieren daher ihren christlichen Glauben im Verborgenen und verzichten auf eine offizielle Umschreibung der Religionszugehörigkeit in ihren Personaldokumenten. Rechtlich gesehen gelten diese Menschen daher weiterhin als Muslime. Die Eheschließung einer Muslima mit einem Angehörigen eines anderen Glaubens ist in Ägypten verboten. Damit soll sichergestellt werden, dass die Kinder, die aus der Ehe hervorgehen, dem Islam nicht verloren gehen.
Auch die zum Christentum konvertierte Braut konnte nach ihrer Konversion keine Personalpapiere beibringen, die ihre neue Religionszugehörigkeit auswiesen. Um ihren christlichen Verlobten heiraten zu können, sah sie als einzigen Ausweg, Pfarrer Wahba gefälschte Dokumente vorzulegen. Wahba traute das Paar und stellte ihnen die Heiratsurkunden aus. Die ägyptischen Behörden erfuhren von der Eheschließung. Am 12. Oktober 2008 wurde der Fall vor einem Gericht in Kairo verhandelt, das den Pfarrer und die beiden Trauzeugen wegen "Urkundenfälschung" zu fünf Jahren Haft verurteilte. Pfarrer Wahba verbüßt seine Haftstrafe im Tora-Gefängnis in der Nähe von Kairo. Das frisch getraute Ehepaar befindet sich auf der Flucht vor der Strafverfolgung, dessen Aufenthaltsort ist unbekannt.
Haftstrafen als Abschreckung
Christen stellen mit schätzungsweise acht bis zehn Millionen Personen rund acht Prozent der etwa 79 Millionen ägyptischen Staatsbürger. In ihrer Mehrheit sind die Christen orthodoxe Kopten. Es gibt aber auch kleinere Gruppen von Katholiken und Protestanten.
Die IGFM kritisiert das Verbot für Eheschließungen von Paaren mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit. Ebenso kritisiert sie, dass den Verurteilten kein fairer Prozess gemacht und ihre Unkenntnis über die gefälschten Papiere nicht berücksichtigt wurde. Das nährt den Verdacht, dass die Urteile von dem ägyptischen Gericht als Abschreckung für weitere Heiratswillige gefällt wurden. Die starren Regeln hinsichtlich der Eintragung von Religionszugehörigkeiten in den ägyptischen Personalpapieren führt immer wieder zu Diskriminierung und ungerechtfertigten Verfolgungen, wie das Urteil gegen Pfarrer Wahba beweist. "Wir fordern Justizminister Mamdouh Moheiddin und Religionsminister Mahmoud Hamdi Zakzouk auf, eine Neuverhandlung der Urteile zu veranlassen. Die Urteile stehen in keinem Verhältnis zu der Tat und widersprechen internationalen Rechtsnormen" erklärte Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.
Die IGFM ruft dazu auf, den ägyptischen Staatspräsidenten Mohamed Hosni Mubarak in Briefen zu bitten, das Recht auf Religionswechsel einschließlich entsprechender Ausweisänderungen durchzusetzen. Der Präsident solle außerdem Pfarrer Wahba ein neues, faires Verfahren ermöglichen.
Appelladresse:
His Excellency President Mohamed Hosni Mubarak Abedine Palace Cairo Egypt
CC/Botschaft der Arabischen Republik Ägypten S.E. Herr Ramzy Ezz Eldin Ramzy außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter Stauffenbergstraße 6/7 10785 Berlin Tel.: 030-4 77 54 70 Fax: 030-4 77 10 49 E-Mail:
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Quelle : IGFM
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