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Wissen um Sünde
Wenn wir von der Befreiung der Seele sprechen, erhebt sich vielleicht die Frage, wovon die Seele befreit werden soll? Wir antworten, dass die Seele auf Erden um die Befreiung von vielen Dingen kämpfen muss. Dieses Buch wird darüber reden.
Es gibt noch anderes, von dem die Seele sich auf Erden befreien will, doch sie schafft es nicht. Vielleicht ist die Befreiung von diesen Dingen eine der Freuden, die wir in der Ewigkeit bekommen. Was aber ist das? Es ist die Befreiung vom Wissen um die Sünde.
Als Gott den ersten Menschen schuf, machte er ihn einfach und rein, der Mensch kannte die Sünde und auch ihre Einzelheiten nicht, nicht einmal ihren Namen. So war es, bevor der Mensch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aß... Er hatte die Reinheit der Kinder, vielleicht mehr... Deshalb erkannte Eva nicht, was die Schlange tat, als sie Eva reizte. Die Schlange betrog sie, als sie sagte, sie werde nicht sterben. Sie sagte zu ihr: „Ihr werdet wie Gott sein“ (Gen 3,5). Eva wusste nicht, dass es etwas gab, das sich Lüge nennt... Sie hatte keinen Zweifel daran, dass die Schlange die Wahrheit sagte, sie kannte auch den Zweifel nicht. Adam und Eva kannten nichts außer dem Guten, das Böse kannten sie nicht. Doch als sie vom Baum gegessen hatten, gelangten sie zur Erkenntnis des Bösen. Der Mensch hatte ein neues Wissen erlangt, das Wissen um Sünde. Und damit kamen noch viele andere Erkenntnisse. Das neue Wissen trübte das ruhige, klare Wesen der ersten reinen Natur. Man kann darüber sagen, was in (Prediger 1,18) steht: „Wer das Können mehrt, mehrt die Sorge“. Vielleicht war die erste Erkenntnis Adams die, dass er ein Mann und Eva eine Frau war, und das Wissen um Geschlechtlichkeit drang in sein Hirn, in sein Gefühl, und er wusste, dass er sich schämen muss. Er begann sich zu bedecken. Er kannte nun die Furcht und fing an, sich hinter den Bäumen zu verstecken. Im Laufe der Zeiten erkannte der Mensch unzählig viele Sünden. Das Wissen verfestigte sich in seinem Verstand; es entzündete in ihm mit der Zeit viele geistige Kriege. Und wenn er selbst nicht fiel, richtete er die anderen, die gefallen waren. Der Mensch geriet in den Zwiespalt zwischen Gut und Böse, Erlaubtem und Verbotenem. Wann wird er von diesem Zwiespalt frei sein? Wann wird sein Herz zur ursprünglichen Reinheit zurückkehren? Wann verliert sein Verstand das Wissen um das Böse, gleichgültig, ob dieses Wissen ihn über den Verstand, über Erfahrung oder über Ausübung erreichte? Wann ist er befreit von „der Erinnerung des Bösen, das den Tod nach sich zieht?“ Ich glaube nicht, dass dies auf Erden geschehen wird. Doch es wird in der Ewigkeit geschehen, wie der heilige Apostel Paulus sagte, als er am Ende seines Lebens stand: „Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit“ (2.Tim 4,6-8). Am Ende wird der Mensch mit Gerechtigkeit gekrönt, der Gerechtigkeit, die keine Sünde begeht, der Gerechtigkeit, die keine Sünde kennt, gekrönt mit der Heiligkeit, ohne die niemand Gott sehen kann... Aber wann? Der Apostel antwortet darauf in seinem Gespräch über den Thron der Gerechtigkeit: „... den der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten“ (2.Tim 4,8). Der Kranz der Gerechtigkeit ist das Ziel der Sehnsucht der befreiten Seele. Doch auf der Erde sündigen wir jeden Tag, und an jedem Tag brauchen wir Umkehr. Kein Mensch ist ohne Sünde, auch wenn er nur einen Tag auf der Erde gelebt hat. Wann werden wir in Wahrheit vom Wissen um die Sünde befreit sein? Und nur Gott allein und das, was um ihn an Licht ist kennen. In ihm ist keine Finsternis... Das wird geschehen, wenn wir die Frucht der Erkenntnis von Gut und Böse, die unsere Eltern in vergangener Zeit aßen, ausgespien haben. Dann werden wir auf unsere erste Stufe zurückkehren. Wir werden in Ewigkeit in einem Zustand sein, der besser ist als jener von Adam und Eva im Paradies. Adam und Eva waren im Zustand der Gerechtigkeit mit der Möglichkeit zu fallen. Doch wir werden in Einfachheit mit dem Kranz der Gerechtigkeit gekrönt sein, der Gerechtigkeit, in der es keine Möglichkeit mehr zum Fallen gibt. Wenn wir in besserem Zustand als der Mensch vor dem ersten Fall sein werden, werden wir ihm wenigstens gleichen in unserer Unschuld, Reinheit, Einfachheit und dem Nichtkennen der Sünde. Wir werden die Sünde mit allen Spielarten, Einzelheiten und Erinnerungen vergessen. In unserem Verstand bleibt nichts mehr außer dem Positiven des geistigen Lebens in der Gottes Liebe und der Betrachtung seiner guten Eigenschaften und der himmlischen Dinge, die keines Menschen Auge je gesehen, keines Menschen Ohr je gehört haben und was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist. Dann hat die Seele den Gipfel ihrer Befreiung erreicht. Doch hier auf der Erde ist das Höchste, was die Seele erreichen kann, dass sie aus der Herrschaft der Sünde, des Materiellen und des Fleisches befreit wird, damit sie frei leben kann: „Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und der Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21). Hast du gefühlt, dass deine Seele diesen Grad der Freiheit erreicht hat? Diese Freiheit ist die Befreiung der Seele, eine Befreiung von allen Fesseln, die sie hindern, Gott zu erreichen. Wie soll das geschehen? Hier überlasse ich dich den Betrachtungen, die ich zum großen Teil Anfang der fünfziger Jahre schrieb, bevor ich Mönch wurde.
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